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Die kleine Anna

  • akhaag
  • 2. Juli 2025
  • 2 Min. Lesezeit
Eine Hand hält ein rotes Papierherz in die Luft.

Vor kurzem hat es mich für ein Seminar nochmal an einen Ort meiner Kindheit gezogen: Für mich ging es in die Eifel und schon auf dem Hinweg habe ich auf der Autobahn wieder die Abfahrt mit dem Ort gesehen, der immer mit einem unwohligen Gefühl behaftet ist. Der Ort, an dem ich als Kind von der Klassenfahrt abgeholt werden musste, weil ich zu sensibel war, zu viel gefühlt habe und damit - wie so oft - für andere unbequem war.


Lange Zeit habe ich gedacht, dass deshalb etwas mit mir nicht stimmt und ich mich mehr zusammenreißen müsste, um so zu sein wie die anderen. Dass es an mir liegt und ich einfach zu "schwierig" bin. Auch als ich dieses Mal an dem Ort vorbeigefahren bin, habe ich gespürt, wie dieses schwere Gefühl wieder in mir hochkam. Doch gleichzeitig war da auch etwas Neues. Ein Widerstand, der ganz klar gesagt hat: Es lag nie an dir. Die anderen konnten nur nicht richtig damit umgehen.


Dieses neue Gefühl hat mich sehr bewegt und im Vorbeifahren habe ich sofort gedacht: Jetzt komme ich hier her und hole die kleine Anna ab nach all den Jahren von der Klassenfahrt ab. Endlich. Weil sie es verdient hat und ich ihr zeigen will, dass genau das Gegenteil der Fall ist und ihre Sensibilität ein unheimliches Geschenk ist.


Wie um das zu unterstreichen, hat mir auch die Erfahrung bei meinem Seminar in der Eifel genau das gezeigt: Sie hat mich nochmal auf so schöne Weise spüren lassen, wie wertvoll meine Feinfühligkeit ist. Wie viele tolle Dinge ich wahrnehmen kann, in Verbindung mit anderen Menschen und der Natur. Und dass es sich dafür gelohnt hat, immer mehr zu mir und meinem Wesen zu stehen. Passend dazu habe ich am letzten Tag dann auch noch zwei vierblättrige Kleeblätter auf einmal gefunden und dachte direkt: Eins für jede von uns.

 
 
 

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