Mein Wintertempo
- akhaag
- 18. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Das mit dem Januar und mir ist so eine Sache, denn irgendwie habe ich in diesem Monat jedes Jahr aufs Neue dasselbe Thema. Eigentlich geht es mir wie der Natur: Ich sehne mich nach Ruhe, Langsamkeit und manchmal auch nach Rückzug. Weniger im Außen unterwegs sein, nach innen blicken und Energie sammeln.
Gleichzeitig steht im Außen alles auf Neuanfang und Veränderung. Das motiviert mich und ich habe - wie auch in diesem Jahr - viele Ideen und Vorhaben im Kopf, mit denen ich gerne loslegen möchte. Mache ich das dann aber auch mit voller Kraft, merke ich immer wieder schnell, dass ich überfordert bin. Dann will ich (zumindest für den Moment) zu viel auf einmal und gehe gegen das, was ich eigentlich gerade brauche. Fast so, als müsste ich sogar doppelt so viel Energie wie sonst aufwenden, weil ich nicht in meinem eigentlichen Wintertempo lebe.
Im letzten Jahr habe ich das auf sehr unbequeme Weise mit einem Sturz und einem gebrochenen Handgelenk spüren müssen. In der letzten Woche waren es stattdessen zum Glück nur der Schnee und das Eis, die mir das Ganze wieder einmal schön gespiegelt haben: Ich musste beim Spazieren ganz langsam und besonders achtsam laufen, damit ich nicht ausrutsche und hinfalle. Und das hat mich oft ganz schön genervt, ging mir nicht schnell genug und war irgendwie umständlich. Aber es war wichtig und notwendig, damit ich sicher unterwegs war und trotzdem meinen Spaziergang machen konnte.
Dadurch ist mir wieder bewusst geworden: Mich auszurichten und Ideen zu haben, ist unheimlich schön und wichtig, es ist aber kein Ganz-oder-gar-nicht. Nur weil ich nicht direkt „Volle Kraft voraus“ lospresche, heißt es nicht, dass ich nicht weiterkomme. Vielleicht reicht das Ausrichten auch erst einmal für den Augenblick. Ich darf mir selbst und den Dingen Zeit geben. Denn Winter heißt nicht Stillstand, sondern Kraft tanken, um damit bald loszufliegen - genau wie das süße Rotkehlchen, das mein Papa so schön eingefangen hat.

Fotos: Michael Haag



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